Gitta Landgraf-Hausmann
Lyrik

Ich habe in Kinderaugen geblickt,
gefragt,
wo die Tage geblieben,
da ich selbst
so
gläubig,
so rein.

Ich habe in Kinderaugen gesehen,
gefunden
verlorenes Paradies,
Sternenglanz
vergangener Kindheit -
und meine Seele hat gejubelt.

© by Gitta Landgraf

Im Ballsaal der Gefühle
tanzen Gespenster
vergangener Liebe.
Im Schein des Kerzenflackerns der Vergänglichkeit
quillt Duft einstiger Jugend,
Liebe stöhnender Nächte
aus verfallendem Gemäuer.
Stille - liegt über den Hallen,
nur verblasstes Lachen entquillt
gleich entspringendem Gewässer
schwammigen Boden
verlorener Zuversicht.

Im Ballsaal der Fantasie
halten Gespensterarme
zärtlich
umfangen,
schenken Knochenfinger üppiges Rosenbukett.
Rosa süchtige Seele sucht Halt,
taumelt gierig gen Gespenstermund,
Bereit!
Bereit.
Ach so - bereit...

© by Gitta Landgraf

Gitta Landgraf-Hausmann

lebt als Malerin und freie Schriftstellerin in Wien.

Mitglied
IG-AUTOREN ÖSTERREICH
AKU-LITERATURKREIS

Veröffentlichungen
TYROLIA VERLAG /"Europäische Weihnacht - Ein Fest für alle"
BOOKS FOR YOU Erzählungen, Märchen,
Historischer Roman
Kurzgeschichten in diversen Zeitschriften.
Lyrikanthologien der
BIBLIOTHEK DEUTSCHSPRACHIGER GEDICHTE

Preise
Gitta Landgraf ist eine der Preisträgerinnen des
MARIANNE -VON - WILLEMER - PREISES

Lesungen
Literaturhaus Wien, Palais Palffy/Wien, Salzburger Kongresshaus/Sbg., Bibliothek Rosa Luxemburg/Wien, Silberkammer/Hofburg/Wien, Hotel Biedermeier/Wien, Rathaus Retz/N.Ö., Hotel am Stephansplatz/Wien und viele andere mehr.

 

Gitta Landgraf-Hausmann
Prosa

 

Endlich ist es Frühling, ja beinahe Sommer geworden. Von einem Tag auf den anderen. Ich eile zielstrebig zu meinem Stammplatz im Burggarten.
Die vor meinen Augen liegende Wiese ist erst zart begrünt, und abenteuerlich ist die Kleidung der Sonnenanbeter, die hier liegen. Nackte, vom Schuhwerk befreite Zehen bewegen sich spielerisch genüsslich. Hosenbeine und Ärmel wurden hochgekrempelt. Blusen geöffnet. Gelegentlich blitzt sogar ein blanker, weißer Busen der Sonne entgegen. Ein kleines Mädchen wird durch die Mutter energisch seiner Kleidung beraubt, was unter wütender Gegenwehr und lautstarkem Protestgeplärr vor sich geht. Das gellende Geschrei verstummt erst, als "man" ein anderes Kind entdeckt, das bereits eine ganze Weile - splitterfasernackt - auf der Wiese steht. Das gerade - aus lauter Verlegenheit - eingehend prüft, ob sein "Spatzerl" tatsächlich fest angewachsen ist.
"Hörst auf!" mahnt die Mutter den "prüfenden" Knaben anstandshalber. In Wirklichkeit nur mäßig interessiert. Zieht mit diesen Worten den Ausschnitt ihres viel zu warmen Pullis so weit als möglich über die Schultern herab, legt sich auf den Rücken und schließt zufrieden die Augen.
"Dass du mir nicht zum Ententeich gehst", murmelt sie noch, bevor sie in der Sonne wegdöst.
Der kleine Junge nickt halbherzig. Blickt abwägend in Richtung Ententeich und setzt eingedenk des Verbots und mangels anderer Beschäftigung die Selbsterforschung fort.
Dann jedoch entdeckt er auf einmal etwas ganz seltsames.
Einen Buben (?) - ohne Spatzerl!?
Prüfend blickt er zum Vergleich noch Mal an sich hinab. Dann nähert er sich vorsichtig dem faszinierenden Wesen.
"Wie heißt`n du?" fragt er.
"Everl", piepst es zurück.
Pause.
Dann etwas vorwurfsvoll der kleine Junge: "Du hast ja gar kein Spatzerl!"
"Ich brauch kein`s, hat die Mami g`sagt. Ich bin ein Mäderl, hat die Mami g`sagt."
Nachdenklich saugt der kleine Junge an seinem Finger und blickt verblüfft.
"Du! Wie heißt'n du?" will da das Everl, ganz junge Dame, wissen.
"Adam!" kommt die stolze Antwort.
Everl nickt gewichtig und anerkennend. Wirft dann einen vorsichtigen Blick in die Runde, besser gesagt auf die Mütter und spricht mit verlockender Stimme.
"Gemma Enten schau`n?"
Und Klein-Adam, von so viel Charme und Seelenübereinstimmung überwältigt, wirft augenblicklich sämtliche Bedenken über Bord; greift kurz entschlossen nach Everls Hand. Dann watscheln beide splitterfasernackt, kichernd und auf niedlich kurzen, wohlgenährten Kinderbeinen Richtung Ententeich.
Adam und Everl im Burggarten.

© by Gitta Landgraf